Header Blog RA Dittmann
Steuerrecht

EuGH: Verteidigung von Geschäftsführer und Prokurist ist keine Leistung an die Gesellschaft

Sandro Dittmann
Rechtsanwalt · Fachanwalt für Steuerrecht · Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

Ein Vorsteuerabzug aus Rechnungen von Strafverteidigern an die Gesellschaft, denen einen Vertretung des Geschäftsführers oder eines Prokuristen zugrunde liegen, ist nicht möglich. Das stellte der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil vom 22.2.2013 klar. Nachdem bereits deutsche Gerichte mehrfach über diese Frage zu entscheiden hatten, wurde deren Praxis nun vom obersten Europäischen Gericht bestätigt (Aktenzeichen C-104/12).

Verteidiger handelt nicht für die Gesellschaft

Im Ausgangssachverhalt hatten Strafverteidiger den Gesellschaftergeschäftsführer einer GmbH und den Prokuristen der GmbH wegen des Vorwurfs der Bestechung im Zusammenhang mit einer Auftragsvergabe an die GmbH verteidigt. Die Abrechnung erfolgte sodann gegenüber der GmbH.

Dieser gängigen Praxis wurde nun eine eindeutige Absage erteilt: Die Dienstleistungen des Rechtsanwalts hatten nur den Zweck, strafrechtliche Sanktionen gegen die handelnden natürlichen Personen zu verhindern. Damit werde gerade keine Leistung direkt an die Gesellschaft erbracht, so dass dem Unternehmen kein Anspruch auf den begehrten Vorsteuerabzug besteht.

Praxistipp:

Die Entscheidung hat für die Begleitung von Strafverfahren, insbesondere in den Bereichen der Steuerstrafverfahren, erhebliche Auswirkungen.

Die bisher übliche Praxis der Übernahme der Kosten durch das Unternehmen wird zwar nicht die Basis entzogen – allerdings muss anders finanziell kalkuliert werden.

Bei eigenem Interesse der Gesellschaft ist Kostenübernahme weiterhin möglich

Unberührt von dieser Entscheidung dürfte die Frage des Betriebsausgabenabzuges sein – wenn das Unternehmen ein eigenes Interesse an dem erfolgreichen Ausgang des Strafverfahrens hat oder nach zivilrechtlichen Grundsätzen verpflichtet war, die entstehenden Kosten zu übernehmen, ist der Ansatz der Kosten als Betriebsausgabe weiterhin möglich.

Zu beachten ist aber ab sofort, dass der Vorsteuerabzug nicht mehr gewährt wird – es ist zu erwarten, dass die Finanzämter im Rahmen von Betriebsprüfungen auf diese Fragen genau achten werden.

Beratung anfragen

Sie möchten das Thema auf Ihren konkreten Fall prüfen lassen? Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.

Jetzt Termin anfragen

Blog

Aktuelle Beiträge & Einblicke.

GmbH-Gesellschaftsvertrag: Warum „von der Stange“ später oft richtig teuer wird

Fünf typische Schwachstellen in Muster-Gesellschaftsverträgen – und wie Sie mit individueller Gestaltung Streit, Notarkosten und Blockaden vermeiden. Viele GmbH- oder UG-Gründungen starten mit einem Standard-Gesellschaftsvertrag – häufig aus einem Muster, das „schnell geht“, vom Steuerberater vorbereitet oder beim Notar als bewährte Vorlage genutzt wird. Das ist verständlich: In der Gründungsphase zählt Tempo, und man möchte…

Mehr

Vermögensschutz für Unternehmer – rechtssicher,strategisch, nachhaltig

Warum die Trennung von Privatvermögen und Firmenvermögen entscheidend ist und weshalb die Stiftung die effektivste Lösung darstellt Der Vermögensschutz für Unternehmer zählt zu den zentralen Zukunftsfragen moderner Unternehmensführung. Mit wachsendem unternehmerischem Erfolg steigen Haftungsrisiken, steuerliche Zugriffsmöglichkeiten und insolvenzrechtliche Gefahren. Eine professionelle Vermögensstruktur entscheidet darüber, ob unternehmerische Risiken das private Lebenswerk gefährden oder konsequent abgeschirmt bleiben….

Mehr

Holdingstruktur für Unternehmer – steuerlich optimieren, rechtlich absichern, strategisch wachsen

Welche Holdingmodelle sinnvoll sind, wo die Vorteile liegen und welche Nachteile realistisch zu berücksichtigen sind Die Holdingstruktur ist eines der wirkungsvollsten Instrumente moderner Unternehmens- und Vermögensplanung. Richtig gestaltet, ermöglicht sie Steueroptimierung, Haftungstrennung, Vermögensschutz und Nachfolgeplanung aus einer Hand. Falsch oder unreflektiert umgesetzt, kann sie hingegen zu unnötiger Komplexität, steuerlichen Nachteilen und rechtlichen Risiken führen. Dittmann…

Mehr

Der verdeckte Gesellschafterwechsel – Wann entsteht er und welche Folgen sind zu bedenken?

Ein Gesellschafterwechsel in der GmbH ist normalerweise eine klare Sache: Notartermin, Unterschriften, Handelsregisteranmeldung, neue Gesellschafterliste. Alles offiziell, alles sauber. Doch was passiert, wenn der Wechsel nicht offen, sondern eher „durch die Hintertür“ passiert? Also verdeckt? Und warum kann das für Geschäftsführer/innen – auch hier in Dresden und Chemnitz – schnell zum echten Problem werden? Was…

Mehr

top